Welcome back to Germany

Unweigerlich musste er kommen. Der letzte Tag. Der Tag, den ich am liebsten um einiges verzögert hätte. Der Tag, der wohl am verhasstesten ist, wenn man einfach eine echt schöne Zeit hatte. Abreise.

Und wenn draußen dann strahlend blauer Himmel herrscht, wird es auch nicht unbedingt leichter, sich Sorgen darüber zu machen, ob der Inhalt der Reisetasche nun gefühlte 23 kg in sich birgt oder sich zusätzliche Pfunde eingeschlichen haben. Dieses Risiko wollte ich für mich minimieren und da ich ohnehin noch keinen Koffer hatte, der ins Handgepäck passte, musste ein Spontanshopping herhalten. Gelernt: es gibt 2 unterschiedliche Größen – national und international. Augen auf beim Kofferkauf.

Erste Strecke Las Vegas – Denver. Mit 46 Pounds auf der Waage (so kann man sich vertun) und einer extrem gut gelaunten Crew galt es die schneebedeckten Berge in Colorado zu überwinden. Gewunden haben sich bei einigen die Magenwände und ich selbst wusste bei den bestehenden Turbulenzen für kurze Momente nicht, ob sich der Blog hier noch vernünftig abschließen lässt. Halleluja-doch die Crew zeigte gute Laune und schwankte auf ihre Plätze mit einem “Here we go for Rock’n’Roll”. Hatte ich doch bei den Begegnungen mit den Piloten zum Beginn der Woche in Vegas gelernt: niemals, wirklich niemals die Tüte benutzen, Schlucken statt Spucken heißt die Devise. Sorry, aber wo die Jungs Recht haben, haben sie nunmal Recht.

Denver – FFM für 9 unterhaltsame Stunden mit viel Platz und einem lustigen Nachbarn, seines Zeichens Cowboy. Natürlich ohne Schlaf, dafür mit viel Spaß und Lachen und interessanten Diskussionen, die die Zeit sprichwörtlich wie im Flüge vergehen ließ und wohl mit eine der schönsten Langstreckenaufenthalte wurde.

Bis wir in FFM landeten. Schnee, Schnee und nochmals Schnee. Wir schrieben den 12. März – also 9 Tage vor dem kalendarischen Frühlingsbeginn. Schon via Facebook hatte ich staunend mitbekommen, dass die weiße Pracht sich über die Mass(ß)en verbreitet hatte, wo jedes Weihnachtsfeeling sich nur noch beschämt zur Seite drehen konnte. Unfassbar und es kam wie es kommen musste: der Flughafen musste gesperrt und damit etliche Flüge annulliert werden. Was für ein Chaos. Konnte durch die anhaltenden Niederschläge und dem ständigen Wind die Rollbahnen nicht mehr geräumt werden. Keine Landungen, keine Abflüge.

Was es auch nicht mehr gab: Freundlichkeit und Höflichkeit. Herrje, wie mich das abnervt. Sorry. Da vergessen selbst Leute, die aus Altersgründen heraus das Thema Benimmse in der Schulzeit mitbekommen haben ihre Kinderstube komplett. Es wird gedrängelt und geschubst und ich entschuldige mich dann auch lauthals gerne, wenn man seinen Trolley über meine Füße zieht, nur weil man eben mal da durch muss. Und ja, ich stehe auch gerne beim Sicherheitscheck und respektiere die Arbeit der Sicherheitsleute, wenn Sie gelangweilt und lauthals gähnen, ohne sich mal eben die Hand vor den Mund zu halten. Jeder HNO- oder Dentalist hätte hier seine wahre Freude. Egal.

Flug gecancelt, keine Aussicht auf Besserung und somit der Biss in den sauren Apfel und auf in die Erlebniswelt der Deutschen Bahn. Überfüllt, verspätet und chaotische Durchsagen – also zurück in den Alltag.

Wenigstens landete ich bei einem tollen Sonnenuntergang in meiner Lieblingsstadt und liebe Begrüßungen trösten dann auch über den Umstand hinweg, dass man saumüde und ohne sein Gepäck wieder daheim das Sofa drücken kann. Komischerweise fällt der Jetlag so aus, dass ich morgens verdammt früh wach werde, was für diese Flugrichtung eher ungewöhnlich ist. Aber dann bleibt einem auch genpgend Zeit rechtzeitig im Büro zu landen, vorher Schnee vom Auto zu fegen und sich unterwegs endlich einen leckeren Kaffee zu holen.

Ich glaube, das war das Einzige was ich ab und an vermisste habe und was keine Selbstverständlichkeit ist in den Staaten. Guter Kaffee und natürlich Schwarzbrot.

Insgesamt war das wirklich eine tolle Reise mit viel Platz für Action, Staunen, Spaß, Chillen, lernen und Genuss.

Danke an Lili und Karen für die Mitverursachung dieser großartigen Reise, danke für euer Mitlesen und ich hoffe nun, dass ich vielleicht heute auch noch meinen Dank der Lufthansa für die Lieferung meines Gepäcks aussprechen kann.

Eines steht fest: der nächste Amerika-Trip muss her und ich glaube, ich sollte auf jeden Fall der Ostküste meine Begeisterung entgegenbringen.

Fotos folgen noch – keine Sorge. Doch deren Sichtung wird sicher eine Weile dauern und nochmal das eine oder andere zufriedene Schmunzeln hervorrufen.

Macht’s gut & bis bis demnächst in diesem Theater😉

Grand Canyon #2 und Cowgirlfeeling

Und schon ist er da-der letzte von 17 Tagen in Amerika. Der letzte Tag mit viel Sonne, guter Laune (die nicht allein von mir ausgeht), der letzte Tag wo alles immer noch größer als groß ist.

Doch zuvor galt es die Nacht zu überstehen. Irgendwie ging das nicht mit dem Schlafen. War es die positive Aufregung vor dem anstehenden nächsten Flug über den Grand Canyon? Fies, als dann plötzlich das Telefon klingelte. Erster Gedanke: wir haben verschlafen und der Veranstalter gibt uns noch 5 Minuten bis zur Abfahrt? Klar hätten wir das geschafft in 7 Minuten. Stattdessen aber der Hinweis vom Houseservice, dass unser Zimmertür nicht ganz verschlossen war. Ergo: hier kommt nix und niemand weg, man darf sich safety fühlen…

Ein letzter Blick auf die Uhr ergab 1:54. Bisschen rumdösen, bisschen lesen und der nächste Blick 3:13! Zweifel am eigenen Zeitgefühl und die Aufklärung am nächsten Morgen: Zeitumstellung. Das machen einzelne Bundesstaaten unabhängig von der europäischen Umstellung. Gut nur, dass Apple sowas schon im iPhone eingebaut hat, wir also pünktlich am Start waren und Herr Google uns aufklären konnte, warum Armbanduhr und Zimmertelefon nicht kongruent waren mit Handy.

Grand Canyon again. Ein roter Helikopter mit einem goldenen Pferd drauf war genau das richtige Transportmittel. Nicht nur weil wir Mädchen sind – galt es schliesslich heute die grandiose Westseite und damit noch tiefere Schluchten zu bewundern. Statt eines Champagnerpicknicks in den Bergen ging es weitaus “traditioneller” zu: yehaaahaah – das Wort des Tages. Ab auf die Ranch.

Ein grandioser Flug. Der Pilot schien ebenso begeistert, gemessen an der Geschwindigkeit seiner unablässig aus dem Mund fallenden Worte. Ich hab’s gefühlte 7,39 Minuten geschafft zu folgen und dann innerlich abgeschaltet. Konnte ich für mich doch nicht einmal mehr Stichworte erfassen. Egal. Die Aussicht muss man auch nicht erklären und einige geschichtliche und geografische Hinweise gab’s/gibt’s ja schon unter Grand Canyon #1.

Landung, Sonne, riesige Kakteen und eiskalter Wind. Ab auf einen Planwagen und zack rüber zur Ranch. Begleitet von ersten Cowboys und jedem Reiterherz schlägt hier eine höherer Frequenz entgegen-irgendwie wirkt alles so frei, locker und die Jungs sitzen so derbe lässig im Sattel. Klar, die machen ja auch den lieben langen Tag nix anderes.

Und so wurden wir auf touristische Art und Weise begrüßt. Ein paar Westernsongs, die amerikanische Flagge rumgeritten, ein paar Buffalos im Kreis vorgeführt (natürlich auch ein paar Kälber dabei) und immer wieder ein yehaaahaah. Frühstück: schnell ein paar gekochte Ribs, Maiskolben und dann zackzack ein paar Jacken oder Westen übergeworfen und weiter im Programm. Man ist halt ein Touri hier oben. Dafür ging’s wesentlich ruhiger auf dem Pferd weiter. Über Stock und Stein in das wilde Feld hinein. Enge Pfade, gerne an spitzen Palmwedeln und Gestrüpp vorbei-es geht ja hier um Wildnis. Mit der Aussicht auf das rote Felsgestein, gelben Sand, weite Felder mit unbekannten Bäumen. Apropos Bäume: auf der Ranch gibt’s ja nicht nur Tiere und uralte Hütten aus Stein und Tipis, nein es wachsen dort auch Pfirsiche, Mandeln, Mulberrys (nein-keine Handtaschen!), Äpfel, Wikdkirsche….also insgesamt ist eigentlich vieles schon da.

Von mir aus hätte der Ritt noch ewig weitergehen können. Die Atmosphäre hier war so nett. Der Umgang der Cowboys und Cowgirls miteinander. Offensichtlich hatten die nämlich Spaß hier. Alles schien so entspannt, so einfach, so unkompliziert. Wie gerne wäre ich jetzt hier geblieben. Ein paar Boots an und dann einfach mal hier mitrocken. Diese typische Form der Wildwestromantik ausleben für ein paar Tage. Von mir aus auch mit kaltem Wasser. Reiten, Ställe ausmisten, ein derbe Mahlzeit nach getaner Arbeit aufnehmen, am Lagerfeuer sitzen, abends die Knochen spüren und todmüde ins Lager fallen. Und den ganzen Tag Sonne und frischeste Frischluft. Aber nein-unser Mädchenhelikopter musste uns ja wieder zurückbringen.

Spätestens hier wuchs mein Unmut wieder nach Deutschland zu reisen. Das yehaaah klang wesentlich kleiner. Ich geb’s zu-ich war ein bisschen gnatschig. Was aber nicht allzu lange anhielt.

Kurz ausruhen, frisch machen-ab zum Buffet ins Cosmopolitan. Und da wir ja an unserem letzten Abend die Chance auf gute Cocktails nutzen wollten mit einem verlockenden “happyhour” im Hinterkopf, störte es auch nicht, dass die Sonne noch kräftig ihre Fühler ausstreckte.
Die Amis machen alles groß-ein Buffet, welches man ausgehungert antreten sollte. Und: wieder was gelernt. Happyhour heißt nicht, dass der Drink pauschal die Hälfte kostet. Ganz geschickt: nur der anteilige Alkohol kostet die Hälfte. Beispiel: Preis des Drinks 20 USD. Davon kostet der Martini beispielsweise 8 USD. Also happyhour nur noch 4 USD. Heißt: der Drink kostet nicht 50% von 20 USD, sondern 20 minus 4=16. statt 10😉

Egal. War es doch unser letzter Abend. Und da musste es natürlich auch ab in das ursprüngliche Las Vegas. Fremontstreet. OH MEIN GOTT. Die ganzen alten Casinos sind quasi überdacht und man steht inmitten eines Licht(er)Tunnels. Es ist laut, es ist hell und ganz anders als der Strip. Vergleicht man es mit unserem Kiez dann steht man jetzt nicht mehr in solchen Läden wie dem East, 20th up oder Copperhouse, sondern jetzt ist Kategorie “Silbersack” angesagt. In betrunkener und das Publikum ist ehrlich gesagt auch etwas einfacher. Das meine ich keineswegs abwertend. Aber es wirkt alles etwas versiffter und dennoch versucht man mit großen Musikbühnen, glitzernderen Dancegirls und billigen Preisen für riesige Essensportionen die ausgelassenen und spielwütigen Freaks in die dunklen Spielhallen zwischen 12,5 Millionen Glühlampen zu bewegen. Keine Ahnung, wie hoch hier die Mindesteinsätze an den Tischen sind. Das ist Las Vegas-hier begann alles. Der Wahnsinn nahm hier seinen unabdingbaren Lauf.

Wir aber wollten es noch einmal in chick und es galt ja den Spuren von Ocean 11 zu folgen. Ab ins Bellagio. Ja, das Hotel mit den Wasserspielen. Und ja ein Hotel mit einer Blumenlandschaft und Schmetterlingen und einem unglaublichen Ambiente. Mehr Staunen geht nicht. Und mehr Glück auch nicht. Ein bisschen Gambling musste sein. Ein festgesetzter Betrag, eine festgesetzte Uhrzeit und ein gutes Gefühl für die richtigen Zahlen…mit einer Verdoppelung und einem Extra an Benzingeld für Karen und einem feistem Grinsen ab ins Bett.

Es folgt eine neue Woche. Und damit auch unabdingbar meine Abreise…die ich so gern verhindern würde. Warum? Dafür ist jetzt und hier kein Platz mehr.

The Life of Deathe Valley

Morgens um halb 9 in Vegas: hinein ins Auto und ab auf den Highway Richtung Süden, um nach ca. 2 Stunden vor einem Straßenschild zu stehen mit der Aufschrift “Death Valley Nationalpark”.

Um es vorweg zu nehmen-wir waren knapp 13 Stunden unterwegs, haben wirklich viel gesehen und dennoch war es nur ein Bruchteil. Wer also Zeit hat, sollte zum einen nicht im Sommer hierher, da es zu Temperaturen um die 50 -knapp 60 Grad Celsius (nein-keine Fahrenheit) kommen kann und zum anderen vielleicht doch eine der Übernachtungsmöglichkeiten wählen. Fotofreaks sollten eher 3 Tage einplanen😉.

Erster Anlaufpunkt war der Zabriskie Point. Woher der Name stammt-keine Ahnung. Fakt aber ist-hier war es warm, denn auf dem Weg von Vegas hierher hatten wir Temperaturen um die Nullgradgrenze und Schnee rechts und links der Fahrbahn. Endlich also wärmende Strahlen, blauer Himmel und gelbe Felsen. Früher gab es hier den Lake Zabriskie. Jetzt sind seine Sedimente übrig geblieben und bizarre Erosionslandschaften lassen das Herz höher schlagen.

Kurz danach gibt es den Abzweig zum Badwater. Wir haben ihn ausgelassen, wollten wir doch zum Sonnenuntergang an der Stelle sein, dessen Bilder überall bekannt sein. Ausgedörrte Erde. Quasi sechseckige Strukturen mit bis zu 2,5m Durchmesser, die durch das Trocknen und die Ausdehnung von Salzkristallen entstehen. Hier gab’s früher einen bis zu 200m tiefen See. Die Zeiten sind jedoch schon lange vorbei. Jetzt gibts nur noch Hitze. Blöd, dass wir den Weg hierher nicht geschafft haben, die Tour war einfach zu lang.

Stattdessen war unsere nächste Station der Salt Creek. Bezaubernd. Normal ist hier alles trocken und von einer weißen Salzschicht überzogen. Jetzt aber dank der Jahreszeit und aufgrund des gestrigen Regenstages fließt hier Wasser durch das handhohe Melden. Quasi der Queller der Wüste. Queller ist bei uns ein Gewächs aus den Wattmeeren, welches echt lecker schmeckt. Es ist recht salzig und kann entweder blanchiert, roh oder kurz angebraten gegessen werden. Hamburger: erhältlich im Frischeparadies. Diese Gewächse sind in der Optik interessant, weil sie am Boden ganz weiß sind, ihre Enden aber grün bis rot.

Am Ufer der kleinen brackigen Bäche, die das ganze Jahr hier stehen, tummeln sich kleine Echsen, im Wasser Kärpflinge. Kleine und ziemlich flinke Fische, die sich nicht nur dem ständig wechselnden Salzgehalt, sondern auch hohen Temperaturschwankungen anpassen dürfen.

Vorbei an den Funeral Mountains, entlang auf Straßen die wohl die besten der Welt sind. Der Belag scheinbar geräuschlos, da gleitet man förmlich vorbei. Entlang an weiten Feldern mit Salzkräutern. Die sehen von weitem puschelig aus, sind aber hart und piecken unangenehm. Als Knäuel in abgestorbener Variante rollen sie dann auch gerne querfeldein. Wüstenfeeling pur.

Das Death Valley besteht aus zwei Teilen- das Death Valley und das Panamint Valley. Wir haben uns für letzteres entschieden und somit ging’s ab Stovepipe Wells runter von der tollen Strecke. Man merkt schon, dass die Gebühren, die man bei Eintritt in die Nationalparks zahlt, zugunsten der Besucher verwendet werden. Es gibt hier aber auch zahlreiche geführte Touren und Vorträge durch die Ranger. Man hat das Gefühl auf einem Lehrpfad zu sein. In deutschen Nationalparks trifft man hingegen häufig auf Leerpfade…

Richtung Panamint Springs (dort unbedingt essen gehen-weltbestes Chili ohne Bohnen und echt leckere Burger samt Westernfeeling) kommt man an einer spontanen Landschaft aus Sanddünen vorbei. Nicht irgendwelche – immerhin wurden hier Szenen aus Star Wars gedreht. Imposant und sie wirken fast wie künstlich dahingeschüttet. Aber das auf eine Höhe von fast 50 m? Ganz feiner gelber Sand, der zahlreiche Leute zum Wandern einlädt. Mit dem Blick über weite Salzkräuterfelder, Geröll und auf rötliche Felsen. Und wenn man ganz aufmerksam fährt, dann zeigt sich auch ein Kitfuchs.Grosse Ohren, die Augen geschlitzt und ein Fell, welches sich perfekt der Umgebung anpasst und ganz weich zu sein scheint. Der kleine Fuchs kam so dicht an uns heran, dass wir den Wind im Fell spielen sehen konnten. Normal kann man hier auch durchaus Kojoten , Pumas oder Maultierhirsche sehen. Die wussten sich nur allzu geschickt vor uns zu verbergen, gleichwohl auf dem Highway 190 hier zahlreiche Warnschilder zu finden sind.

Panamint verlassend ab in Richtung Windrose. Jetzt heißt es Schluchten, Serpentinen, Geröll. Blick auf den schneebedeckten Telescope Peak (3.366m) und vorher noch zahlreiches Lavagestein in schwarz (und hässlich). Eine spannende und völlig anders geartete Strecke. Die für Fahrzeuge ab 7m gesperrt ist, da die Wege teilweise echt sehr schmal sind.

Nebenbei-wir haben aber auch den tiefsten Punkt mit 1.000 Fuß unter dem Meeresspiegel heute “durchquert”…

Zurück wieder nach Furnace Creek. Die Sonne im Rücken, vorbei an den Dünen und wirklich vielen kleinen Campingplätzen. Silberne Airstream-Trailer, die in der untergehenden Sonne glänzten. Aber auch vorbeiziehende Wohn”Häuser”, die an ihrer Anhängerkupplung mal eben Autos der Klasse Grand Cherokee wie Spielzeugautos hinter sich herzogen. Meine Güte-das sind Dimensionen.

Wie gesagt-der Tag war viel zu kurz. Nur die Hälfte und dennoch voller Eindrücke ging’s im Dunklen zurück. Unfassbar-den bergab leuchtete ca. 30 Meilen vor uns der bedeckte Himmel im gelben Licht. Las Vegas. Ich habe gelesen, dass man die Stadt nachts aus dem All sehen kann. Habe staunende Berichte vom Anflug gehört-aber es selbst von hier aus, in tiefschwarzer Nacht so zu erleben-unfassbar! Hinzu die vielen Flieger. Klar, wenn jährlich in Vegas knappe 39 Millionen Touristen einfallen-die kommen ganz bestimmt nicht mit dem Schiff. Oder nutzen die vielen tollen Radwege drumherum…

39 Mio Touristen auf 2 Mio Einwohner. Etwa 1.100 Starts und Landungen gibt es hier auf einem der 10 meist frequentierten Flughäfen der Welt. Ich dachte in Los Angeles schon, dass die hier nur noch am Verteilen der Slots sind… Aber 1.100 – ein Tag hat 1.440 Minuten…

Mit diesen Eindrücken zwischen ruhiger und beschaulicher Naturkunst und der größten Verschwendung Westamerikas legt sich ein vorletzter Urlaubstag schlafen.

Morgen noch einmal Las Vegas aus der Luft und den Boden mit Pferdefüßen berührend und dann heißt es langsam aber sicher schon wieder Koffer packen…na gut – erstmal schlafen für heute…

Traurig nicht alles gesehen zu haben, froh es überhaupt erlebt zu haben.

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Valley of Fire – feuriges Staunen

Ungefähr 150 Millionen Jahre ist es her, da gab’s irgendwo in Nevada, nur eine Autostunde von Las Vegas entfernt ein paar wunderbare Wanderdünen, die sich mal eben dort zur Ruhe legten. Und durch das viele lange Herumliegen und das Heben und Senken der gesamten Region, plus heftiger extensiver Erosionen wurde ein einmaliges Sandsteingebirge geschaffen, welches aus Kalkstein, Schiefergestein und Konglomeratgesteinen besteht. Gemeint ist das das Valley of Fire, welches seinem Namen alle Ehre macht.

Es ist unglaublich. Man fährt mehr oder weniger entspannt den Highway 15 entlang. Weniger entspannt, weil ellenlange Trucks im Rückspiegel einem große Augen bescheren oder ungehemmt mal eben die Spuren wechseln, während wir noch dabei sind den Blinker zu setzen.

Apropo – es gibt ein neues “wir”. Meine langjährige Freundin Karen ist am Mittwoch in Las Vegas gelandet, um von hier am Montag mutig (weil allein) eine dreiwöchige Rundreise durch Arizona zu starten. Und Lili ist heute grad wieder Richtung Hamburg aufgebrochen. Was der Himmel mit heftigem Regen und einem Temperatursturz quittierte. Haben wir vorgestern noch bei 25 Grad die T-Shirts gelüftet , so liegen wir heute bei ca. 10 Aussentemparatur… Der niederprasselnde Regen hier ist heftig und eiskalt. Wirklich alles andere als nett. Vegas hat nur 4 Regentage im Monat-wir hatten einen jetzt davon.

Zurück zum Valley of Fire. Wie gesagt-ca 45 Minuten Highway und dann geht’s auf einer für amerikanische Verhältnisse guten Straße ab in Richtung Berge. Rechts und links trockenes hüfthohes Gestrüpp, Schotter und jede Menge heller Sand. Und der Hinweis, nicht vom Weg abzukommen. Vor uns hohe dunkle Berge. Ohne Farbtupfer.

Und dann erste kleine Flecken, eine gute Straße den nächsten Berg hinunter, eine Art Straßensperre und das Eingangsschild in den ältesten und größten State Park Nevadas, der 1935 schon eröffnet wurde. Auf einer Höhe von 610-790 Meter. Den Eintritt von 10 USD zahlt man gerne und schon fast mit zittrigen Händen, da sich ja auch erste Felsformaionen zeigen. Sandstein. Zwischen Büschen, Sträuchern und Kakteen.

Es gibt einen Weg durch das Gebirge, was einem aber nicht immer hoch erscheint. Es gibt genügend Parkplätze zum aussteigen und fotografieren. Wir hatten Glück. Das Wetter war bewölkt, so dass recht wenig Touristen unterwegs waren. Auch ohne Sonne ist das hier ein einmaliges Erlebnis.
Es sind nur Steine-klar. Ausgewaschen, weich, dann wieder etwas schroff. Und in wirklich allen Farben der Palette weiß bis scharlachrot. Überall friedliche Stille. Satt Geier gibt es Raben, aber auch Finken zwitschern vergnügt zwischendurch rum. Es soll hier auch Kojoten, Skunks, Kaninchen und Eichhörnchen geben. Aber auch Spinnen, Echsen und eine seltene Schildkrötenart: die kalifornische Gopherschildkröte. Nicht für unsere Augen. Stattdessen ergötzten wir uns an fantasievollen Formen und den Farbmischungen. Für Fotografen ein wahres Eldorado. Nur dafür benötigt man echt viel Zeit. Weil es tausend Dinge zu entdecken gibt und es auch Spaß macht, sich in diesen butterweichen Sand zu knien.

Nicht gefunden haben wir die Felszeichnungen der Anasazi-Indianer. Unsere Zeit war dann doch nicht so überschwänglich bemessen und anderseits waren wir so geflasht, dass das Staunen einfach zuviele Minuten in Anspruch genommen hat.

Wer immer in Vegas ist-nehmt euch Zeit für diese andere Welt. Es lohnt sich wahrhaftig und wie gesagt-zum Durchschauen und dem Gewinnen eines groben Überblicks ist ein halber Tag schon viel wert…Und da Mietwagen hier auch kein Vermögen kosten (hier braucht’s keinen SUV oder so-die Strassen sind echt okay), muss man dafür auch keine Fantastilliarde aufbringen.

Mittlerweile habe ich auch Las Vegas mit anderen Augen kennengelernt. Das Shopping-Center im Norden ist viel schöner als im Süden (auch wenn nicht alle Artikel hier günstig/er sind), die Hotels sind von innen voller Überraschungen, die Shows die vor den Hotels laufen wirklich nice und das Essen hier überall ausgezeichnet. Und für jede Preisklasse zu haben. Ein leckeres Steak im Outback für ca. 20 USD oder aber man lässt sich von Herrn Wolfgang Puck für ein fünffaches mehr verwöhnen. Las Vegas hat einfach alle und alles.
Tipps für Essen und so folgen irgendwann am Ende. Vielleicht😉

Nur das mit diesen einarmigen Banditen und den Gewinnen-das muss ich offensichtlich noch üben…So richtig geklappt hat das noch nicht.

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Grand Canyon #1

Es gibt 7 Weltwunder und eines davon ist wahrhaftig der Grand Canoyn.

Zu keiner anderen Feststellung kann man gelangen, wenn man einen Teil dieser 450 km langen und bis zu 1.800 m tiefen Schlucht aus der Sicht eines Helikopters betrachten kann. In unserem Fall konnten wir es mit einer EC130 bewundern. Eine bequeme Maschine für 7 Gäste, von denen 3 vorne sitzen können und welche mit einer Turbine angetrieben wird. So ein kleines Maschinchen einer europäischen Produktion kostet dann mal eben auch schlappe 3,1 Mio USD.

Unser Start gegen 15 Uhr führte uns also in eine Gegend, die bereits vor über 3.000 Jahren besiedelt wurde durch die Indianer, welche quasi noch als Jäger und Sammler hier lebten. Rund 1000 Jahre später entstanden erste Lehmhütten und Behausungen in den Wänden der Schluchten. Doch die ansässigen Anasazi, die auch für wunderbare Felszeichnungen sorgten, verschwanden 300 Jahre später schon wieder. Später kamen dann die Hopi (Angehörige der Pueblo-Kultur) und heute leben dort sogar noch vereinzelt Havasupai-Indianer. Die aber dann mal eben auch eine Tankstelle für die Helikopter inmitten der Berge auf einem kleinen Plateau errichtet haben…

Im Jahre 1540 wurde der Grand Canyon zum ersten Mal durch einen Europäer besucht: García López de Cardenas (klar-ein Spanier). Er kam mit einer Truppe Soldaten über den Südrand hinein und musste aber kurzerhand umkehren. Wassermangel. Der Grand canyon wurde als wertlos eingestuft und 200 Jahre lang ließ sich hier kein Europäer mehr blicken. Heute sind es etwa 5 Millionen Menschen, die dieses phantastische Gebirge besuchen.

Dieses Gebiet teilt seine 6 bis 30 km breiten Felsen auf in 3 Gebiete: South Rim, Nordrand und die Innere Schlucht.

Wir kamen, vorbei am Lake Mead und über das Valley of Fire, welches morgen per Auto erkundet wird, über den Süden hinein. Wie die meisten Besucher. Diese Region liegt im Schnitt 2.100 m über dem Meeresspiegel, während der Colorado dann auf 750 m ü.M. fließt. Gemächlich und von hier oben aus winzig und dennoch beeindruckend wirkend. Schließlich trägt der Grand canyon seinen Namen bedingt durch diesen Fluss, der früher Grand River (=gewaltiger/großartiger Fluss) genannt wurde.

Unsere Rast inmitten einer solchen Schlucht, gefühlt auf halber Höhe, samt einem Schluck Champagner ließ einen innehalten. Felsen, Steinpflanzen, Ruhe, völlig anderes Licht. Was es schwierig macht zu fotografieren. Eigentlich sieht das ganz leicht aus. Aber Schatten und Sonne wechseln sich hart ab und eine leichte Diesigkeit sorgt für entsprechende Unschärfe. Ich geb’s zu-viel Spaß hatte ich da nicht, weil mir ganz klar meine Grenzen aufgezeigt wurden…da muss ich noch einiges lernen…

Dennoch ein Genuss beim Verweilen, bevor es dann in den Sonnenuntergang hineinging. Nicht jedoch ohne über den weltberühmten Hoover-Dam geflogen zu sein. Von hier oben ein imposantes Momument. Dieses Abspeerbauwerk staut den Colorado und so ist hier mit knappen 65.000 Hektar und einem Speichervolumen von rund 35 Milliarden Kubimetern der größte Stausee der USA entstanden. En olympisches Schwimmbecken fasst rund 2.000 -3.000 Kubikmeter, die Jahresproduktion einer schottischen Whiskybrennerei kommt auf 5.800.

Entstanden ist der Damm zwischen 1931-1935. mit der kraft von 5.000 Arbeitern, von denen jeden Monat 2 Menschen verstarben als Folge von Hitzschlägen oder ganz “normalen” Arbeitsunfällen. Der Name “Hover” verweist auf den 31. Präsidenten der USA. Herbert C. Hover stellte sich zu dem Zeitpunkt zur Wiederwahl und die während der vorherrschenden Weltwirtschaftskrise Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze sollte ihm damit große Chancen zuspielen. Hat nur leider nicht gelangt, wodurch der Damm dann wieder “Boulder” hieß und erst 1947 durch Harry S. Truman erhielt dieses Bauwerk wieder den Namen “Hover”.

Ein kleiner Geschichtsausflug. Sowas braucht man aber auch, denn dann werden einem auch viele amerikanische Lebensweisen klarer. Nationalstolz wird hier anders “buchstabiert” als bei uns Deutschen.

Das Licht verzaubert beim Rückflug in den Sonnenuntergang nicht nur das eigene vorherrschende zufriedene Grinsen. Sondern zeigt auch die Verformungen der Steine genauer. Immerhin hat sich dieses Gebiet vor rund 40 Millionen Jahren gebildet, der Canyon selbst ist aber erst 5-6 Mio Jahre alt, wobei der Hauptteil der Tiefenerosion erst schlappe 2 Mio Jahre auf seinem sandigen Rücken trägt. Irgendwann mal war das alles flaches Meer, dann gab’s Ablagerungen in Küstennähe, die meisten Schichten wurden aber unter dem Meeresniveau abgelagert bzw. gebildet. Und einige Zeit später hob sich dann das Colorado Plateau um 1.500 bis 3.000 m, so dass sich diese tiefen Schluchten bilden konnten und damit diese mächtigen und großartigen Schichtenabfolgen erkennen ließen. Parallel sind in dieser Zeit aber auch die Rocky Mountains entstanden, so konnte der Colorado nicht mehr abfließen und grub sich samt dem Schmelzwasser der Rocky Mountains sein eigenes Bett. Oder besser:er fräste sich den Grand Canyon zurecht. Das ging verhältnismäßig schnell, da das Colorado Plateau zerrüttet und ineinander verschoben war. Die heutigen unteren Felswände sind sehr harte und alte Granitschichten (1,4-1,8 Milliarden Jahre) . Schwer erodierendes Gestein und damit sorgt der Fluss nicht mehr Tiefe, sondern für eine Breite.

Am Westrand des Canyon gab es zahlreiche vulkanische Tätigkeiten. Aber selbst deren Asche und Lava vermochten dem harmlos wirkenden Colorado River nix auszumachen. Keine Verstopfungen, vielmehr eine abweichende Farbgebung.

Unser Helikopter überflog Vegas, direkt vorbei an den großen Hotels über den Strip und ruckzuck beherrschte nicht mehr die Sonne die Helligkeit, sondern als diese riesigen Werbetafeln bzw. Projektionsflächen für Shows, Tickets und tausend andere Vergnügungen.

Selbst meine beiden mitfliegenden Piloten (Lili als Privatpilotin und Hans als Berufspilot) konnten sich dem Flash dieses Ausfluges in kleinster Weise entziehen. Unglaublich.

Ich bin so happy, diese Reise angetreten zu haben. Und sie ist immer noch nicht zu Ende😉

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Zwischen Sprachlosigkeit und Herzklopfen

Es kam was kommen musste: eine Nachtwanderung über den Strip.

Ganz ehrlich? Ich käme nie auf die Idee über den Hamburger Kiez zu schlendern oder freiwillig den Ballermann aufzusuchen. Aber manchmal gibt es Dinge, die muss man dann doch einfach tun.

Eine Partymeile noch und nöcher. Große und größte Hotels reihen sich entlang einer vollbefahrenen mehrspurigen Straße und es ist scheinbar taghell. Überall gibt es was zu Staunen. Alles ist pompös. Seien es die Casinos, die Eingangsbereiche verzaubernder Hotels mit ihren anschließenden Shoppingareas, die bis Mitternacht geöffnet sind, die Einlagen der Straßenkünstler, die Partygetränkebecher der Leute, die schon wie Blumenvasen anmuten und dann natürlich die Leute selbst. Jedwede Grundlinien werden hier durchbrochen. Es werden Sachen gezeigt, die man eigentlich nicht sehen will und Übergewicht existiert eigentlich gar nicht bzw. Wird es in einer Art und Weise ignoriert, die echt weh tut. Dazwischen immer wieder mal Brautpaare und leider auch kleine und kleinste Kinder. Wenigstens denen sollte man die optischen und akustischen Überreize ersparen.

Apropo: ein paar nette Ablenkungen gibt’s dann schon. Vor den Hotels werden teilweise Shows aufgeführt, die in der Erstellung eine Fantastilliarde verschlingen. Vor dem Bellagio eine kraftvolle und ja auch extrem bekannte Wassershow, dann ein Stück weiter vor dem Mirage ein von Feuer begleiteter Vulkanausbruch und vor dem ehemaligen Treasure Island (mittlerweile nur noch als “TI” bekannt, weil ein Imagewechsel neues Publikum anlocken soll) knapp und knapper bekleidete Piraten und deren Bräute, die sich auf einem dazu passenden Schiffsnachbau in die Lüfte schwingen. Jeder Reiseführer verweist an dieser Stelle auf die Bitte, mit Kindern hier einen Bogen zu schlagen…

Viele Hotels haben einen Checkin, der erst ab 21 Jahre zugelassen ist. Die Hotels selbst werden auch zur Partymeile. Und so verwundert es nicht, dass das offizielle Motto scheinbar lautet: je später der Abend desto kürzer die Röcke. Sitzen kann Frau damit nicht mehr und meistenteils sollte man auch nicht mit offenem Feuer in deren Nähe kommen… Mit Reizen jeglicher Couleur wird hier nicht gespart…

Shoppen kann Spaß machen und es ist auch in jeder Preisklasse bedienbar. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass Artikel in einem outlet-Center auch wirklich günstiger ist als “normal”. Dennoch können einem die Dollar schnell aus der Hand rutschen hier…

Nach soviel Aufregung für die Augen und dem Lästern und Staunen in Hochform galt es gestern auch mal Adrenalin in seiner reinsten Form zu tanken: skydiving in einer indooranlage.
Schon ganz lange ging mir nicht mehr so die Düse und mit mehr Schiss als Vaterlandsliebe konnte ich dem Angebot hier nicht wiederstehen. Gilt es einen “Schuldigen” zu finden, so sind es die Fliegerkollegen von Lili, die mittlerweile hier eingetroffen sind für die startende Helikoptermesse. Die Jungs steuern nicht nur ihre Maschinen, sondern leben das Element Luft auch mit Fallschirmen aus. Und tanzen in solchen Tunneln, wie es hier auch in Vegas einen gibt. Saltos, auf dem Rücken liegend, komische Haltungen annehmend: das alles gleicht einem Kurs für synchronschwimmen, nur ist es lauter, findet in unmöglich anmutenden Anzügen statt und ist extrem schweißtreibend.

Die Grundregeln sind sehr einfach: du spreizt Arme und und Beine wie ein große “x”, hebst immer dem helmbesetzten Kopf und bleibst total entspannt. Relaaaax… Die Trainer hier sind wirklich sehr nett. Man betritt quasi ein Metallnetz mit einem riesigen Fön in der Mitte und lernt kurz das richtige Hinfallen an die gepolsterten Wände. Im ersten Schritt legt man sich quasi auf den Fön, der langsam sein Luftvolumen hoch fährt, der Trainer hält einen entsprechend fest, so dass man auch im Windkanal bleibt und dann gilt es “nur noch” die Arme leicht anzuwinkeln, den Po etwas anzuspannen, den Kopf oben zu behalten, der irgendwie scheinbar automatisch nach unten gucken will, und ganz wichtig: entspannt zu bleiben. Alles in mir drin war am Lachen, Staunen und voller Exstase, das Abrollen und Luftholen zwischendrin fast schon zu langandauernd, so dass man für den zweiten Sprung quasi schon Anlauf nimmt und sich dann volle Kanne auf das bestehende Luftpolster wirft. Vor allem dadurch animiert, dass unsere Jungs mit einer Leichtigkeit zwischendrin zeigten, dass man nicht nur wie eine ungelenke übergroße Spinne da rumhängt, sondern nach einigen (vielen) Trainingseinheiten das Ganze spielerisch und leicht anmutend ausschauen kann…

Es ist schon anstrengend und auch schweißtreibend und wenn die Jungs den ganzen Tag darin arbeiten gehen Kilos flöten, für die wir dann schon ein paar Wochen brauchen, um sie abwerfen zu können.

Womit wir beim Thema Essen wären. Wer glaubt, dass die Amis teilweise so dick sind, weil es nur Burger und Pizzen in Form von Wagenrädergrössen gibt, der irrt. Selten habe ich so gutes Fleisch gegessen wie hier. Und ontop günstig. Wenn-und das erfordert Beweglichkeit, man sich auch mal außerhalb der Hotels bewegt. Wir haben ja das Glück, dass wir quasi Insider am Start haben, die offensichtlich schon etliches ausgetestet haben. Ich glaube ich habe mein Leben lang noch nie soviel Salat am Stück gegessen wie hier. Weil es aber auch immer frisch und lecker ist.

Frisch war gestern bei uns der Wind. Zumindest gemessen an der Stärke, so dass wir heute die anscheinend anmutende Flaute nutzen werden, um dem Grand Canyon via Helikopter einen Besuch abzustatten. Wollen doch mal sehen, wie sich so eines der 7 Weltwunder aus der Nähe anfühlt. Richtig hindurchfliegen darf man ohnehin nicht mehr. Vor Jahren ist dort ein Helikopter abgestürzt und die Schäden und auch Rettungsarbeiten waren so hoch, dass man sich dann konsequenterweise für den Erhalt der monumentalen Berge entschieden hat. Sehr gut.

Deutschland neigt sich dem Tage-wir starten ihn. Auf geht’s in die Abenteuer der Wüste.

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Welcome to Las Vegas

Eine Stunde Flug. Mit der Airline, die wohl das schönste Logo hat und offensichtlich auch bekannt scheint für rappende Sicherheitshinweise? Wir konnten diese nicht erleben, dafür aber eine grandiosen Flug über eine beachtliche Wüstenlandschaft. Staunt man mal über die Höhe der Alpen, weil man sie einigermaßen genau erkennen kann, so frage ich mich hier doch schon wie hoch hoch und wie weit weit sein kann. Tiefe Schluchten, rotes und gelbes, mitunter verworfenes Gestein und dann plötzlich taucht die Stadt auf, in der so viele Menschen ihr Glück (ver)suchen: Las Vegas.

Inmitten von scheinbar totem Sand – eine Stadt deren Name übersetzt soviel wie “fruchtbare Ebene” bedeutet. Die größte Stadt im Staat Nevada, die zu einem Viertel vom Umsatz in den Kasinos lebt und deren Gelder für Eintrittskarten, Shows, Souvenirs und Luxusartikel mal eben die anderen 3/4 des Umsatzes ausmachen.

Der Flughafen allein spricht eine völlig eigene Sprache: nicht nur dass die Leute hier irgendwie anders aussehen, nein: direkt vom Gate fällt man schon in die einarmigen Banditen, umringt von… An der Stelle setzt bei mir grad eine spontane Wortfindungsstörung ein. Punkt.
Umringt von tausend Geräuschen, Musik und schallschluckenden Teppichen, vorbei an überbunten Ständen hin zum Gepäckband, wo man zwar mit Schnelligkeit überrascht wird, sich aber andererseits auch vertrauensvoll an die zahlreichen Damen mit der Aufschrift “change” wenden kann, falls man nicht direkt große Scheine in die Automaten versenken möchte. Breites Grinsen.

Es wäre kein Mädchenurlaub, wenn wir uns nicht auch ein nettes Hotel ausgesucht hätten. Wobei man entschuldigenderweise sagen muss, dass Las Vegas die günstigsten Hotelpreise in den USA aufweisen kann, gemessen auch an der Zmmergrösse. Wenn man dann noch rechtzeitig am Start ist, dann kann man durchaus extrem positive Überraschungen erwarten.

Mir war vorher klar, dass das Hotel riesig ist. Mir war nicht klar wie riesig! Ich glaube das waren die längsten 120 Sekunden, in denen man mich sprachlos erleben konnte. Eine Rezeption, die grössenmässig wohl mit dem Checkin des Lufthansaschalters am Hamburger AirPort mithalten kann? Nur viel netter vom Ambiente natürlich. Aber man reiht sich hier genau so ein zwischen diesen Absperrungen und wartet drauf, von einem der im Dutzend vorhandenen Schalter angenommen zu werden. Dass rechts und links auch noch mal Concierges warten, interessiert hier erstmal nicht. Klar-das ist ja auch die größte Hotelanlage der Welt, und dass hier 17.000 Angestellte tätig sind wird einem nicht nur bei einer der Anzahl von 7.000 Zimmern klar, denn auch die 80 Shops und mehr als 26 Restaurants wollen bedient werden. Kurzer Vergleich: Porsche Deutschland hat 11.500 Mitarbeiter.

Jetzt nach 30 Stunden Aufenthalt im Hotel findet man die Poollandschaft, das Finesscenter mit seiner Kletterwand, den Supermarkt und das eine oder andere notwendige Highlight ohne GPS. Als ich gestern morgen ankam, überfiel mich so etwas wie eine Erkältung. Nach fixer Genesung dank Mittagsschlaf in diesen Prinzessinnenbetten (immer wenn ich da hineinschlüpfe, fühle ich ich wie in einem Briefumschlag. Und diese vielen tollen Kissen…) glaube ich aber, dass mein kleines ex-ossi-Herz nur mal eben komplett überfordert war ;)) Andererseits war die Nacht zuvor ja auch kurz.

Wie auch immer-das hier ist echt eine komplett schräge Welt. Da tummelt sich der extrem lässige FlippFlopp-Ami in seinem speziellen Modeempfinden über die blankgewienerten Palazzowege entlang an den Gondeln hin zur Spielhalle und vorbei an dem Hochzeitspaar, welches hier seinen neuen Lebenstraum (?) beginnt. Die gestylten 90210-Schönheiten samt schönheitschirurgischen Hinterlassenschaften am Pool räkelnd neben der Muddi aus Bottrop in den bequemen Croqs. Quietschiges “ohmygod” zwischen ständig plärrenden Lautsprechern mit Musik, Werbung und ichweissnichtwas. Das Geheimnis lautet “ausblenden”.

Nein, man findet auch seine ruhigen Ecken hier-es ist nicht alles nur doof zwischen sommerlichen Temperaturen und knallblauen Himmel. Der im Übrigen zeitweise scheinbar voll mit Helikoptern ist.
Viele Wege erledigen sich für uns noch zu Fuß. Mit Staunen, mit dem Wissen darum wie schön es zu Hause ist, mit dem Wahrnehmen der Bettler hier und der Gewissheit: dieser Ausflug ist nicht normal und an Verrücktheiten kaum zu toppen. Es gibt hier wirklich alles. Riesige und abgefahrene Hotels, Luxus, Wahnsinn, Exotik, ein AEZ neben dem anderen (AEZ ist das größte Einkaufscenter in HH, welches mal europaweit für einige Zeit den höchsten Umsatz pro qm hatte) und trotzdem genug Freiraum zum Chillen und Genießen.

In diesem Sinne – für uns geht es jetzt hinaus in die Nacht.

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